Ab in die Mitte: "Innenstadbeleuchtung"

Für uns ist es nicht ganz einfach, zu dem Problemfeld Stellung zu beziehen, da wir noch nicht alle Hintergründe und Sachzwänge genau kennen. Aus vielen Einzelgesprächen erschließt sich für uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Eindruck, dass viele Gruppen (PWG, Stadtmarketing…) ihre Interessen einbringen, ein Gesamtkonzept allerdings nicht verwirklich werden kann, da viele Einzelinteressen dies verhindern bzw. es nicht gelingt, dass alle an >einem Strang ziehen<. Aus unserer Sicht müssten alle Beteiligten ihren Anteil für ein gutes Gelingen beitragen. Hierzu bedarf es noch eines Umdenkens, hin zu einem gemeinsamen Ansatz. Es ist nicht Aufgabe von Parteien und politischen Gruppierungen für Geschäftsleute Konzepte zu entwickeln, wir können nur die Rahmenbedingungen besser gestalten. Die Kommune hat vielfältige Möglichkeiten für Gewerbetreibende, Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomie, Ärzte, Banken und Existenzgründer strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den Fortbestand, sowie die Neuansiedlung von innerstädtischen Betrieben zum Ziel haben. In   Anbetracht der Ladenschließungen und der akuten Leerstände in der Amberger Innenstadt, schlagen wir als erste Maßnahme in diese Richtung ein Aktionsprogramm vor.

Grundgedanken Jeder Gewerbetreibende, also Einzelhändler, Dienstleister, Gastronomen, Existenzneugründer, welche zur Innenstadtbelebung einen Beitrag leisten, erhalten einen Zuschuss von der Stadt. Bei städtischen Baumaßnahmen, welche den üblichen Betrieb eines Geschäftes erheblich negativ beeinflussen, muss eine Baustellenmarketing-Förderung eingerichtet werden, um die Umsatzeinbußen etwas zu kompensieren.

Wer erhält Zuschüsse? Kleinstunternehmen mit unter 10 Mitarbeitern und unter 1 Million Jahresumsatz. Unternehmen,  z.B. Einzelhandelsgeschäfte, welche ihre Verkaufsräume modernisieren oder sonstige kundenfreundliche Maßnahmen ergreifen. Gastronomiebetriebe welche ihren Betrieb barrierefrei umgestalten und  behindertengerechte Toilettenanlagen einbauen. Existenzgründer, die z.B. einen Laden neu eröffnen. Jeder der sich innovativ daran beteiligt die Amberger Innenstadt attraktiver zu machen, soll die Möglichkeit bekommen, eine städtische Bezuschussung zu erhalten. Ein Gremium der Stadt unter fachlicher Einbeziehung der örtlichen Interessenverbände, entscheidet über Förderungswürdigkeit der einzelnen Projekte. Es gibt keinen rechtlichen Anspruch auf Förderung.

Welche Zuschüsse gibt es von der Stadt? Bis zu 50% der Investitionssumme, jedoch maximal begrenzt auf  5.000,00 €  Die Stadt legt ein Jahresbudget von 30.000,00 € fest. Ist dieser Topf zum Jahresende nicht ausgeschöpft, dann erhalten die umgesetzten Projekte eine weitere Prämie in Höhe von 20% auf den bereits erhaltenen Zuschuss, begrenzt auf maximal 1.000,00 €. Eine Baustellenmarketing-Förderung erhalten betroffene Betriebe bis maximal 2.500,00 €, abhängig von Dauer und Art der Baustelle.

Wie könnte die Praxis aussehen?  – 2 Beispiele. Ein alteigesessener Einzelhändler saniert seine Schaufensteranlage und seine Außendarstellung,   Kosten 12.000,00 €. Seine Maßnahme wird von der Stadt anerkannt und ist somit zuschusswürdig. 50% seiner Investition wäre ein Betrag von 6.000,00 €. Dieser Betrag übersteigt die maximale Zuschusshöhe um 1.000,00 €, jedoch könnte er mit 5.000,00 € rechnen. Statt 12.000,00 € bräuchte er nur noch 7.000,00 € Eigenkapital investieren. Für den Einzelhändler sicherlich eine Entscheidungshilfe aktiv zu werden. Oder.Ein Gastwirt baut in seine Toilettenanlage eine größere behindertengerechte WC-Kabine ein. Investitionskosten  7.000,00 €, maximaler Zuschuss 50% = 3.500,00 €. Statt 7.000,00 € müsste er nur noch 3.500,00 € investieren um das Lokal für seine Gäste attraktiver zu machen.

Gibt es solche Modelle bereits in anderen Städten? Ja, viele bundesdeutsche Städte praktizieren erfolgreich derartige Zuschussmodelle.

AB IN DIE MITTE – Was müsste weiter geschehen und wer ist angesprochen? 

  1. Gewerbetreibende, Einzelhändler, Dienstleister (Gastronomie, Ärzte, Banken), die den Nachfragern und Kunden ein wirklich breites und interessantes Angebot machen (Angebot muss auch für das Auge lukrativ und preiswert sein (preiswert heißt für uns nicht billig)
  2. Vermieter, die innovativen Unternehmern auch eine Chance geben (moderate Mietpreise zumindest in der Anfangsphase)
  3. Kommune, die eine tolle Stadtatmosphäre bietet (Straßen, Plätze, Kultur, unterschiedliche Veranstaltungen) und finanzielle Anreize schafft
  4. Besucher der Stadt (Käufer, Nachfrager nach Dienstleistungen, Lokalbesucher, Interessierte an Kultur im weitesten Sinne), die alle gerne in der Stadt verweilen und Umsätze tätigen


Zu 1: Wichtig wäre ein lukratives Branchen- und Angebotsmix – ein gutes Nebeneinander der Geschäftsleute. Wenn eine „gesunde Konkurrenz“ in Verbindung mit einem umfangreichen  Angebot in der Stadt besteht, kann jeder profitieren. Wenn innovative Unternehmer und Dienstleister vor Ort sind, ist das auch Motivation und  Ansporn für andere, ihr Sortiment zu verbessern. Dazu gehört auch das Vorhandensein aller sonstigen Dienstleister. Wenn der Bürger alles in der Stadt bekommt und erledigen kann, dann nützt er auch das übrige Angebot (Bäcker, Metzger, Cafe, Gastronomie).

Zu 2: Zumindest in den guten Geschäftslagen erscheinen uns die geforderten Mietpreise zum Teil überhöht. Natürlich können wir uns nicht in die vertragliche Gestaltung des Mietzinses einmischen. Wir geben aber zu bedenken, dass langfristig nur dann ein guter Mietzins erwirtschaftet werden kann, wenn auch ein gelungener Branchenmix vorhanden ist. Wenn am Schluss nur noch Filialisten in der Stadt sind und wenn dann auch die gehen, gibt es keine Mieteinnahmen mehr. Deshalb sollte  kreativen Einzelhändlern bzw. Dienstleistern die Chance gegeben werden, ihren Geschäftsbetrieb mit einem relativ moderaten Mietzins zu beginnen.

Zu 3: Die Atmosphäre in der Stadt muss noch weiter verbessert werden. Dazu gehören Gebäudefassaden, Straßen, Plätze, Begegnungs- und Kommunikationszentren, Ruheinseln, Kultur und interessante Veranstaltungen. Dazu gehört auch, den Geschäftsleuten und der Gastronomie zu helfen (erfüllbare Auflagen), wo es nur geht. Eine Kommune profitiert von einer guten Infrastruktur, vom guten Ruf ihrer Stadt, hat so bessere Steuereinnahmen und kann zusätzlich investieren (z.B. in billigere oder kostenlose Parkplätze). Weiter wäre es denkbar, dass die Stadt im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel Kleinstunternehmen im Einzelhandel oder im Lebensmittelhandwerk Zuschüsse zu den Investitionskosten bei einer Existenzgründung gewährt.

Zu 4: In eine Stadt, die Atmosphäre hat und auch sonst viel bietet, kommen die Menschen gerne, geben dort ihr Geld aus und sind auch bereit, ihr Auto am (in wenigen Minuten erreichbaren) Stadtrand abzustellen. Für den Transport von schweren oder sperrigen Einkaufsgegenständen vom Geschäft bis zum Auto sollte der Handel Lösungen anbieten.

Ein großes Problem der Innenstadt ist die Frage „Storg-Immobilie“. Warum hier so vieles schief lief, wissen wir nicht. Für die Zukunft wichtig ist aber, dass im Zusammenhang mit dem neu zu überbauenden Bürgerspitalareal ein sinnvoller Lösungsansatz gefunden werden muss. Wie das Bürgerspitalareal geplant und bebaut wird ist auch abhängig von der zukünftigen Nutzung der Storg-Immobilie.

Nach unseren Informationen sind im neuen Areal des Bürgerspitals auch große Freiflächen für die Bürger geplant – das finden wir gut. Weiter ist geplant, die Städt. Wirtschaftsschule um eine Aula zu erweitern und den Pausenhof neu zu gestalten. In diesem Zusammenhang regen wir an, die Freiflächen des Bürgerspitals und den Pausenhof der Wirtschaftsschule so zu gestalten, dass das Areal u. a. auch als kulturelles Zentrum und als Ort der Begegnung für die Stadt und ihre Bürger (Freilufttheater, Kleinkunst und vieles mehr) genutzt werden kann. Der Pausenhof könnte z.B. als eine Art Amphitheater angelegt werden. Ein weiterer Vorteil ergibt sich dadurch, dass die Versorgungseinrichtungen der Städtischen Wirtschaftsschule bei Veranstaltungen mit genutzt werden könnten und dass bei schlechten Witterungsverhältnissen Veranstaltungen in die Aula der Schule verlegt werden könnten.

Aus unserer Sicht wäre dies eine hervorragende Möglichkeit ohne größeren finanziellen Aufwand, einen Ort der Begegnung und der Kultur im Herzen der Stadt zu errichten, da viele Synergieeffekte optimal ausgenutzt werden könnten.